Toskana-Therme in Bad Schandau macht die Schotten dicht

von tveg am 21. Oktober 2013

dsc0150In dieser Woche beginnen die Bauarbeiten. Das Hochwasser hat neue Schwachstellen aufgezeigt.

Da waren sie noch optimistisch. Vier Mitarbeiter harren seit drei Tagen auf dem Dach der Toskana-Therme in Bad Schandau aus. Das Juni-Hochwasser hat seinen Höhepunkt erreicht. Die neuen Hochwasserwände halten. Die Pumpen erledigen unermüdlich ihren Dienst. Alles viel besser als noch beim Hochwasser 2002. Dann schlägt einer Alarm. Im Keller steigt plötzlich das Wasser. Die Szenerie in den Katakomben erinnert in diesem Moment fast an den Filmklassiker „Das Boot“. Als dort das deutsche U-Boot die kritische Tauchtiefe erreichte, presste sich Wasserstrahl um Wasserstrahl ins Innere. Bolzen schossen aus der Wand, die Mechaniker hantierten mit großen Schraubenschlüsseln.

Auch die vier in der Toskana-Therme sehen im Juni, wie plötzlich im Keller Dichtungen an der Außenwand ihren Dienst versagen. Nur hilft hier kein Schraubenschlüssel. Und auftauchen kann die Therme auch nicht. Die Pumpen sind zwar leistungsstark, aber nicht stark genug.

Gespräche mit Betreiber

„Außen ist der Pegelstand schon gesunken, innen stieg er dann drei Zentimeter pro Stunde“, erinnert sich Residenzmanager Axel Hausmann, der damals mit im Gebäude war. Das Problem war die Länge des Hochwasserscheitels. „2002 stand das Wasser zwei Tage. Das hätten wir überstanden. Diesmal waren es jedoch vier“, erzählt Hausmann. Die neuen Schwachstellen sind nun bekannt und die Bauexperten sind sich sicher, dass diese abgestellt werden können. Das Bauwerk ist als eine sogenannte weiße Wanne gebaut, die Wasser von außen und innen abwehren kann, ähnlich wie ein Boot. Allerdings gibt es einige Medienanschlüsse und Kanäle nach außen, die besonders betrachtet werden müssen.

Vier Monate nach dem Hochwasser geht es nun endlich an die Schadensbeseitigung. Ab heute sind die ersten Handwerker im Einsatz. „Der Bauablaufplan steht fest. Schrittweise gehen jetzt die Bauaufträge raus“, sagt Jana Thiele, Geschäftsführerin der Kurortentwicklungsgesellschaft Sächsische Schweiz (KEG), der das Gebäude gehört. Im November geht es dann an den größten Posten der Reparatur, dem Einbau der Klimatechnik. Die schweren Geräte sind dem Wassereinbruch im Keller zum Opfer gefallen.

Alles, was halbwegs mobil war, haben die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. „Wir haben fast die gesamte Ausstattung ins Obergeschoss gebracht“, sagt Manager Hausmann. Ein Stromanschluss war schnell wieder geknüpft. Wo bis Juni die Besucher mit Wellness verwöhnt wurden, ist nun das Baubüro. Das Fitnesscenter wurde zum Gewächshaus umfunktioniert. Hier läuft kein Schweiß sondern das Gießwasser für die Palmen. Die Kellerdecke ist längst trocken. In den Probebohrungen wurden akzeptable Werte gemessen. Jetzt wird nur noch nach vorne geschaut.

Ostern 2014 soll die Therme wiedereröffnet werden. Die Baupläne sind dann zu Ende. Die Gespräche, wer dann die Toskana-Therme unter welchen Bedingungen betreibt, laufen indes weiter. Entweder der bisherige Betreiber, die Toskana-World GmbH oder die KEG selbst. „Da ist noch einiges zu bereden. Aber im November wird das erledigt sein“, sagt Jana Thiele.

Text: Gunnar Klehm
Foto: www.saechsische-schweiz-ferienwohnung.com / Dieter Kopke
(c) Sächsische Zeitung, Montag, 21.10.2013

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