Mit Kunst und Kultur gegen die Winterflaute

von admin am 3. Dezember 2015

Quelle: Sächsische Zeitung, 03.12.2015

Hoteliers setzen zunehmend auf Ganzjahres-Tourismus. Auch, um wichtige Arbeitskräfte zu halten.
Von Gunnar Klehm
basteifelsen Rathen

In der Sächsischen Schweiz werden im November die Bürgersteige hochgeklappt. Mit dem Ende der Hochsaison im Tourismus erlischt alles geschäftige Treiben. Mit solchen Vorurteilen wollen diejenigen der Branche jetzt energisch aufräumen, die einen Ganzjahres-Tourismus in der Region weiterentwickeln wollen. „Uns ist natürlich klar, dass wir nie die Gästezahlen aus dem Sommer erreichen, aber steigern lässt sich der Anteil im Winter allemal“, sagt Michaela Becker, stellvertretende Direktorin der Hotels Elbschlösschen und Elbiente in Kurort Rathen.

Dass zusätzliche Anstrengungen notwendig sind, macht ein Blick auf die Beherbergungsstatistik deutlich, die vom Landestourismusverband veröffentlicht wurde. Von Januar bis September dieses Jahres gab es im Freistaat zwar einen leichten Zuwachs an Übernachtungen, die Sächsische Schweiz liegt mit einem Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum allerdings unter dem Durchschnitt. Das liegt daran, dass sich die Aufenthaltsdauer der Gäste verringert hat. Die Zahl der Ankünfte war nämlich um 0,7 Prozent zu den ersten neun Monaten des Vorjahres gestiegen.
Auffallend ist bei der Statistik, dass in fast allen sächsischen Tourismusregionen Zuwächse zu verzeichnen sind, nur nicht in Dresden und der Sächsischen Schweiz. In der Landeshauptstadt wird das hauptsächlich auf die fehlenden Gäste aus Russland zurückgeführt. Deren Anzahl sank laut Tourismusverband um etwa 30 Prozent. Diese Begründung für Verluste kann für die Sächsische Schweiz nicht gelten, denn hier ist der Anteil von Gästen aus Russland traditionell viel kleiner als in Dresden.

Die Hoteliers halten sich hierzulande aber weniger mit der Ursachenforschung auf, sondern handeln. Erkannt wurde, dass das größte Potenzial für Steigerungsraten in der Nebensaison liegt. Mehrere Hoteliers wollen nun mit Kultur-, Kunst- und Wellness-Angeboten gegen die Winterflaute ankämpfen und Gästen einen längeren Aufenthalt schmackhaft machen.
Bad Schandau hat mit der Toskana-Therme hierbei eine günstige Ausgangsposition. Das ist ein Ganzjahres-Angebot, das zu einem bedeutenden Tourismus-Anker geworden ist. „Die Therme sorgt auch jetzt noch für ein gutes Wochenendgeschäft“, sagt Gundula Strohbach, die Geschäftsführerin der Bad Schandauer Kur- und Tourismus GmbH (BSKT). Viele Gäste würden speziell nach Übernachtungsmöglichkeiten in Therme-Nähe fragen.

Dass für eine Belebung des Tourismus noch mehr gefordert ist, weiß aber auch die BSKT. Seit einigen Jahren werden unter dem Stichwort „Entschleunigung“ sogenannte Specials organisiert. Das sind sowohl Wellnesspakete als auch geführte Wanderungen, eine Teestunde in der Bibliothek und Kultur im Bahnhof.

In Kurort Rathen haben die großen Hotels inzwischen einen kompletten Kalender mit besonderen Angeboten zusammengestellt. Ein Baustein nennt sich „Bühne frei“. Dafür wurden bekannte sächsische Schauspielergrößen wie Peter Kube, Jürgen Haase und Ralf Herzog engagiert. Kube wird zum Beispiel seine Komödie „Das Faultier im Dauerstress“ präsentieren, Haase und Herzog erklären den „Knigge 2000“. Das Angebot ist sowohl an Gäste als auch an Einheimische gerichtet. Zudem kann man einen Malkurs mit der Wehlener Künstlerin Anne Kern besuchen oder bei „Gesund & Fit“ Entschlackungstage mit dem Rathener Heilpraktiker Dirk Huxol erleben. „Die Natur der Sächsischen Schweiz ist zwar auch im Winter attraktiv, aber man muss auch bei schlechtem Wetter Angebote parat haben“, sagt Michaela Becker.
Auch der Tourismusverein Elbsandsteingebirge wünscht sich mehr einzigartige Angebote, die das gesamte Jahr attraktiv sind, und hat einen Vorschlag: „Das könnte ein Bergsportmuseum im Elbsandsteingebirge sein. Schließlich zählt unsere Region zur Wiege des Klettersports“, sagt Vereinsvorsitzender Ivo Teichmann.

Die Drei- und Vier-Sterne-Hotels der Sächsischen Schweiz haben mit den „Wintersternen“ bereits seit Längerem ein einheitliches Pauschalangebot entwickelt. Die besonders günstigen Übernachtungspreise werden auch diesen Winter wieder angeboten – sofern die Häuser geöffnet haben.

Denn viele Gastronomen oder Pensionen planen nach wie vor eine längere Schließzeit, weil die Saure-Gurken-Zeit bis Ostern finanziell kaum zu überbrücken ist. Doch das hat inzwischen ernste Konsequenzen, was das Fachpersonal angeht. Das zieht in Tourismus-Regionen ab, in denen das gesamte Jahr über Geld verdient werden kann. Dabei muss man nicht mal bis nach Österreich schauen, denn mit Dresden liegt ein guter Arbeitgeber in der Tourismus-Branche direkt vor der Haustür. Für die Unternehmer in der Sächsischen Schweiz beginnt dann jedes Frühjahr aufs Neue das Hoffen und Bangen, ob ihre guten Leute wieder zurückkommen.

Bild: Die Basteifelsen mit ihrer bekannten Brücke sind auch im Winter ein Blickfang. © dpa
Urlaubsquartiere und Info´s finden Sie hier:

www.tourismusverein-elbsandsteingebirge.de

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