Bielatal mit Potenzial beim Tourismus

von admin am 14. März 2012

Von Hartmut Landgraf SZ-Online am 14.03.2012:

Die Kletterer und Wanderer kommen im Sommer zu Tausenden. Doch in der Gästestatistik rangiert das Bielatal weit abgeschlagen.

Wer im Sommer an Wochenenden an der Ottomühle einen Parkplatz sucht, käme nie auf die Idee, dass der Gemeinde Rosenthal-Bielatal Touristen fehlen. Und doch ist es so. Das Statistische Landesamt zieht jetzt eine ernüchternde Bilanz: Keine andere Kommune im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat im vergangenen Jahr so viele Gäste und Übernachtungen eingebüßt. Unter 30 Kommunen, deren Beherbergungsbetriebe (ab neun Betten) in die Wertung eingingen, belegt Rosenthal-Bielatal mit 2717 Ankünften gerade mal Platz 27. Auch wenn man die kleinen Privatvermieter mitzählt, bliebe Rosenthal-Bielatal noch weit hinter seinen Nachbarkommunen Gohrisch und Königstein – oder gar Rathen und Hohnstein – zurück. Dabei bietet die Landschaft vor allem Aktivtouristen hervorragende Bedingungen: ein gut ausgebautes und markiertes Wanderwegenetz, Strecken, die zum Fahrradfahren taugen – und das größte Klettergebiet der Sächsischen Schweiz. Was also läuft falsch?

Die Werbung ist zu bescheiden und lässt Trümpfe außen vor

Rosenthal-Bielatal ist in größeren Werbekampagnen der Region eher unterbelichtet. Ein Nachteil: Der Malerweg, den beispielsweise der Tourismusverband Sächsische Schweiz stark bewirbt, berührt das Gemeindegebiet nicht. Gleiches gilt für den Elberadweg. Hinzu kommt, dass Rosenthal-Bielatal offenbar auch mit seinen eigenen Pfunden nicht zu wuchern versteht. So wird das größte Klettergebiet der Sächsischen Schweiz ausgerechnet im Imageprospekt der Gemeinde irrtümlich zum zweitgrößten degradiert. Auch bei der touristischen Straßenbeschilderung wird dieser Trumpf klar verschenkt. Lediglich im Gewerbeleitsystem wird das Klettergebiet mit kleinen weißen Hinweisschildern gewürdigt – inmitten von Werbetafeln ortsansässiger Firmen. Die neue Internetseite ist eine bessere Visitenkarte und sogar mit einigen Aktivtourismusfirmen verlinkt.

Die Straßen nach Bielatal sind wenig einladend

Die Zufahrtsstraßen nach Bielatal sind zum Teil echte Rausschmeißer. Besonders die von der B172 in Krietzschwitz über Langenhennersdorf ist eine einzige Holperpiste und müsste dringend saniert werden. Aber auch in der Ortslage besteht Handlungsbedarf. Wichtig für Aktivtouristen: die Gemeindestraße zur Ottomühle, die ebenfalls in schlechtem Zustand ist. Laut Bürgermeister Gebhard Moritz (CDU) ist sie zwar Bestandteil mittelfristiger Planungen, aber in diesem Jahr kein Thema. Die Hauptverkehrslast konzentriert sich zudem auf den Parkplatz an der Ottomühle, der in der Saison des Öfteren überfüllt ist.

Es fehlen Ausflugs-Gasthöfe und Rucksackunterkünfte

Es gibt knapp 50 Vermieter und einige Gaststätten im Ort – etwa den Gasthof Hermsdorf, die Pension Schweizermühle und das Erbgericht Rosenthal. Vor allem im Tal selbst fehlt es aber an Kneipen und preiswerten Rucksackunterkünften. Neben der gut besuchten Alpenvereinshütte im Ortsteil Ottomühle fängt bislang vor allem der Imbiss Daxensteinbaude den Strom der Wanderer und Kletterer auf. Touristisches Potenzial steckt im neuen Vier-Sterne-Ferienhaus Felswelten. Ob das Gasthaus Ottomühle nach dem Betreiberwechsel seinen früheren Ruf als Ausflugslokal und Bergsteigerkneipe zurückerobern kann, bleibt abzuwarten.

Die berühmte Felskulisse wächst immer mehr zu

Das obere Bielatal wird zu Recht als ein „Reich der Felsentürme“ bezeichnet. Berühmte und bizarre Sandsteinnadeln und -türme wie die Herkulessäulen, der Großvaterstuhl oder der Daxenstein säumen das Tal, es gibt 239 Kletterfelsen mit rund 3000 Aufstiegen. Doch die beeindruckende Kulisse wächst allmählich zu, denn die Hangwälder und Gehölze im Tal stehen in mehrfacher Hinsicht unter Naturschutz – etwa als Quellgebiet und natürlicher Lebensraum nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Radrouten sind nicht markiert, Loipen gibt es keine

Über Rosenthal und den Bielagrund kann man auf zwei wunderbaren Wegen ins benachbarte Tschechien radeln, nur leider laufen die Strecken noch immer unter der Rubrik Geheimtipp und sind nicht als Radrouten ausgewiesen. Im böhmischen Regierungsbezirk Usti soll eine neue Fern-Radroute entlang des Erzgebirgskamms ausgewiesen werden, auf die Bürgermeister Moritz Hoffnungen setzt: Das Bielatal könnte als Zubringer profitieren. Völlig unentdeckt ist das Wintersportpotenzial der Gemeinde, die dank gut ausgebauter Forstwege ein riesiges Ski-Langlaufgebiet sein könnte. Dafür wären allerdings gespurte Loipen Voraussetzung. Die gibt es bislang nicht. Die Gemeinde hat kein Geld für ein Loipenspurgerät. Privatinitiative ist gefragt.

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