Malerweg ist unter die Räder gekommen

von admin am 16. Dezember 2008

Dienstag, 16. Dezember 2008 (Sächsische Zeitung)

Malerweg ist unter die Räder gekommen
Von Hartmut Landgraf und Verena Weiß

Über seine letzte Wanderung in den Liebethaler Grund ärgert sich Werner Feller noch immer. „Hinter dem Buswendeplatz, wo der Malerweg beginnt, ist alles durch breite Reifenspuren zerfahren. Bis weit in das Tal hinein ein einziger Matsch“, sagt der Lohmener und wundert sich: „Wer hat denn die Befahrung genehmigt?“

„An dieser Stelle werden gerade die Böschungen und der Prallhang gesichert“, erklärt Katrin Schöne, Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung in Pirna. Die Befahrung des Weges sei hierfür unumgänglich. „Die Maßnahmen dienen der Schadensbeseitigung aus dem Frühjahrshochwasser 2006“, so Schöne. Bisher wären die betroffenen Stellen nur provisorisch gesichert gewesen. „Die Arbeiten mussten erst geplant und genehmigt werden. Das braucht etwas Zeit“, erklärt sie. Außerdem würde der feuchte Boden des Tales zusätzlich dafür sorgen, dass die Fahrzeuge ihre Spuren hinterlassen.

Arbeiten halten eine Woche an

Bis spätestens nächste Woche sind die Arbeiten aber abgeschlossen“, versichert Schöne. Dann sollen auch die tiefen Furchen wieder verschwinden, die sich wegen der schweren Betriebsfahrzeuge durch den Malerweg ziehen. Eine Maßnahme, die auch Werner Feller begrüßen würde. „Der Malerweg ist beliebt, und ich laufe gern selbst durch das Tal“, sagt er . Doch derzeit bereite es ihm angesichts des zerwühlten Bodens keine Freude: „Wer hier seine Tour beginnen will, der kehrt um und kommt nie wieder“, sagt Feller und hofft auf ein baldiges Ende der Bauarbeiten.

Auch in einem anderen Teil der Sächsischen Schweiz nahm der Malerweg kürzlich Schaden. Bei Baumfällarbeiten in den Privatwäldern zwischen dem Gohrischstein und Pfaffendorf wurde ein Stück des Wegs von schweren Forstmaschinen zerwühlt. Inzwischen herrsche dort aber wieder einigermaßen Ordnung, sagt Ivo Teichmann, Chef der zuständigen Forstbetriebsgemeinschaft Gohrisch. Der Weg zur Schönen Aussicht etwa sei schon wieder begehbar.

Teichmann begründete die Maßnahme mit sinkenden Holzpreisen. Die Waldbesitzer wollen das Holz möglichst noch zu den diesjährigen Preisen vermarkten. Außerdem sollen auf einigen Flächen im Frühjahr Bäume gepflanzt werden. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sei der Einsatz schwerer Ernte- und Rückemaschinen bei größeren Holzeinschlägen unumgänglich, sagt Teichmann. Man habe die Arbeiten aber bewusst außerhalb der Saison durchgeführt, um den Besucherverkehr nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Der Nachteil dabei: Durch die nasse Witterung hinterlassen die Maschinen auf dem Boden tiefere Spuren als in der trockenen Jahreszeit. Teichmann versichert, dass diese wieder beseitigt werden, wenn alles Holz aus dem Wald transportiert ist.

Dass bei forstwirtschaftlichen Arbeiten mitunter Wanderwege in Mitleidenschaft gezogen werden,20dafür äußert der Gohrischer Bürgermeister Tom Vollmann (FDP) Verständnis. Bei der anschließenden Sanierung habe es in der Vergangenheit aber manchmal gehapert, sagt er.

Malerweg verlangt Schonung

Auch der Tourismusverband Sächsische Schweiz appelliert, dass mit Wanderwegen – speziell mit überregional bekannten wie dem Malerweg – möglichst schonend umgegangen wird. Der Verband bemühe sich um eine Zertifizierung des Malerwegs als Qualitätswanderweg, sagt Geschäftsführer Tino Richter. „Dafür muss die Qualität auch stimmen.“ Über den Zustand des Malerwegs in Pirna-Liebethal will der Tourismusverband in Kürze bei einer Ortsbegehung mit der Stadt Pirna und der Gemeinde Lohmen reden. Der lasse nämlich ohnehin zu wünschen übrig, sagt Richter.

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