Königstein wird evakuiert

von tveg am 4. Juni 2013

 

03.06.2013 – Unsere Zentrale Tourist-Info in Königstein steht bereits im Wasser

Zum dritten Mal seit 2002 dringt die Elbe in die Stadt. Mancher Schaden ist noch nicht bezahlt.

In Königstein stand die Elbe bereits gestern Mittag vor der Bürotür des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge am Reißigerplatz.

Auch in Königstein räumen die Anwohner in der Innenstadt gestern in aller Eile ihre Erdgeschosse und Keller leer. Bürgermeister Frieder Haase macht sich keinerlei Illusionen: „Die Prognosen sind für uns jenseits von Gut und Böse“, sagt er schon am Vormittag. Da steht die Elbe noch bei 6,90Meter und über die B172 am Reißigerplatz flutet noch reger Autoverkehr.

Kaffeehausbetreiberin Antje Zimmermann hat es satt. „Die Nerven liegen blank“, sagt sie. Seit mehreren Stunden sind sie und ihre Mitarbeiter am Ausräumen. „Wir erleben das zum dritten Mal.“ Im Flutjahr 2002 stand das Wasser in der ersten Etage des Hauses hüfthoch, das Erdgeschoss war komplett

vollgelaufen. „Wenn das jetzt wieder zehn Meter und mehr werden, geht das bei uns wieder bis ins Obergeschoss“, fürchtet die Kaffeehausbetreiberin. Was das für ihr Geschäft bedeutet, mag sich Antje Zimmermann lieber nicht ausmalen. Sie wisse nicht, so sagt sie, wie sie noch ein weiteres Hochwasser wirtschaftlich „überleben“ könne. Die Flut 2002 hatte an Haus und Kaffee Schäden von zusammengenommen 700000 Euro angerichtet. Sie habe noch ohne Ende Kredite zu tilgen, sagt die Gastwirtin.

Gegenüber, in der Info des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge, werden ebenfalls mit fliegenden Händen die Koffer gepackt. Am Gebäude leckt bereits gegen Mittag die Elbe. „Es ist
klar, dass wir geflutet werden“, sagt Vereinschef Ivo Teichmann. Stapelweise schaffen er und seine Mitarbeiter Prospektmaterial und technische Geräte aus dem Haus, um sie vor den Fluten in Sicherheit zu bringen. Die Computer will Teichmann in Pfaffendorf zwischenlagern.

Im Elbefreizeitland hat Geschäftsführer Frank Hausdorf vormittags fast noch einen Funken Optimismus. „Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt er. Der Königsteiner Campingplatz nebenan steht da schon zur Hälfte unter Wasser – die Camper sind fort. Auch der Freizeitpark hat geschlossen, noch ist das Gelände aber trocken. In der Pension Bomätscher wird der Keller ausgeräumt.

In der Königsteiner Mittelschul
e haben die Schüler mitgeholfen, die Kabinette frei zu räumen, nebenan wurde die Turnhalle beräumt. Die letzten Schränke bauen die Lehrer mit Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern ab. Von Dienstag bis Donnerstag bleibt die Schule dicht, lediglich eine Notbetreuung sei geplant, sagt die stellvertretende Schulleiterin Karin Muschalik.

Ab Mittag werden weite Teile der Innenstadt evakuiert. Im alten Königsteiner Kino wird ein Notlager eingerichtet. Härtefälle werden in örtlichen Pensionen untergebracht, das Ago Seniorenzentrum Bielatal nimmt ebenfalls Leute auf. Viele Einwohner hätten sich aber selbst um Quartiere gekümmert, sagt die Stadt.

Von Hartmut Landgraf

(c) Sächsische Zeitung – Dienstag, 04.06.2013

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