Festungsbesucher parken auf einer Baustelle

von admin am 6. August 2009

Mittwoch, 5. August 2009
(Sächsische Zeitung)

Von Hartmut Landgraf

Bei dem Mann mit der Warnweste liegen die Nerven blank. „Vier Euro bitte“, verlangt er mit gehetzter Stimme. Die nächsten Autosblinken und warten schon. Auch sie wollen ins Parkhaus. Ein Stau auf der Zufahrtsstraße zur Festung Königstein aber soll möglichstgar nicht erst entstehen.

Neben der Einfahrt zum Parkhaus schütten Bagger gerade einen frischen
Erdwall auf. Innen stehen die Schranken offen, die Ampel auf Rot. Kein Ticketautomat? Sollte hier nicht schon längst richtig geöffnetund alles fertig sein…?

„Offen ist schon“, verteidigt sich der Einweiser verzweifelt, „aber das funktioniert doch alles noch nicht in diesem Laden – keine Toilette, kein Garnichts“. Wahrscheinlich hat er heute schon zigmal dasselbe
predigen müssen. Das neue Parkhaus an der Festung Königstein istnoch immer eine Baustelle – fast fünf Wochen nach seiner schon damals verspäteten Eröffnung. Der Termin zu Ostern konnte nicht gehalten werden, auch der zu Pfingsten nicht. Zur Einweihung am 4. Juli war die mit der Bauleitung beauftragte GH Projekt AG noch optimistisch, das Parkhaus werde nun innerhalb von zwei bis drei Wochen voll funktionstüchtig sein.

Betreiber KWE verliert Geld

Aber noch immer sind „Restarbeiten“ zu erledigen,20und derTermin für die Endabnahme steht in den Sternen. Wie die GH Projekt AG einräumt,
muss unter anderem im Sanitärtrakt noch Haustechnik angeschlossen werden. Es seien noch „Sanitärobjekte zu installieren“, hieß es auf Nachfrage. Auch der eine oder andere Pinselstrich muss im Gebäude offenbar erst noch gemacht werden. Die Einmündung zum Vorplatz wurde
gestern Vormittag noch gepflastert. Weil das automatische Parkleit- und Ticketsystem noch nicht funktioniert, hat die Stadt eine Firma beauftragen müssen, welche die Parkgebühren vorerst manuell kassiert.

Dass der Eröffnungstermin zweimal verschoben werden musste, war vonder Projektleitung bereits in der Vergangenheit mehrfach mit widrigen Witterungsbedingungen begründet worden. Im Winter und Frühjahrhätten Frost und Nässe den Betrieb auf der Baustelle erheblich behindert. Wegen des Verzugs stehen indessen nicht nur die Händler, die ins Parkhaus einziehen wollen, auf dem Schlauch, sondern auch der künftige Betreiber: die städtische KWE Königstein GmbH. Auf die Frage, wie sich der Verzug auf die Einnahmen der 100-prozentigen kommunalen Tochter auswirkt, antwortete KWE-Chef Heiko Scherz kurz angebunden: „Kein
Kommentar.“

Auch Bürgermeister Frieder Haase (parteilos) hielt sich mit Zahlen zurück, räumte aber ein, dass er mit Verlusten rechne. In welcher Größenordnung, könne er gegenwärtig aber noch nic
ht beziffern.

Stadt verteidigt die Bauleitung

Dafür nannte Haase jetzt einen neuen Termin, an dem alle Arbeiten, die die Funktion des Parkhauses betreffen, nun wirklich definitiv abgeschlossen sein sollen: den 17. August. Die drei Gewerbeeinheiten im Gebäude sollen noch vor diesem Termin bezugsfertig sein.

Vorwürfe macht Haase der Bauleitung und den Baufirmen keine. Trotz des Verzugs sei die Stadt mit dem Fortgang der Arbeiten zufrieden. Die Witterung sei ein echtes Handicap gewesen. „Unser großes Zielwar die Eröffnung zum Ferienbeginn“, sagt der Bürgermeister. „Seitdem brauchen wir keinen Ausweichparkplatz mehr.“

Autos finden im Gebäude wirklich genug Raum zum Parken: 527 Pkw- und13 Behindertenstellplätze. Wohnmobile freilich müssen noch immer auf den kleinen Behelfs-Parkplatz oberhalb der Eselswiese ausweichen. Ihre Stellplatz-Spur hinter dem Haus war am Wochenende noch nicht benutzbar.

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