Die Gohrischer Idylle ist den Gastwirten zu ruhig

von admin am 3. Dezember 2008

Mittwoch, 3. Dezember 2008
(Sächsische Zeitung)

Die Idylle ist den Gastwirten zu ruhig
Von Hartmut Landgraf

Der Holzweg ist nicht immer der schlechteste im Tourismus. So wie Martin Vodicka vom österreichischen Planungsbüro Pronatour-Outdoorsolutions ihn sich vorstellt, windet er sich in spannenden Kurven und schwindelerregender Höhe durch Baumkronen. Oder er passiert Erlebnisstationen, wo man über Pfähle balancieren muss, an Seilen hangeln, über Hängebrücken turnen. Und immer werden dabei Naturmaterialien, Wald, Berge und Bäche erfahrbar gemacht und auf spielerische Weise erklärt.

Von solchen touristischen Hinguckern im Einklang mit Natur und Landschaft, berichtete Martin Vodicka am Montag im Gohrischer Gemeindesaal. Eingeladen hatte den Spezialisten die Touristische Arbeitsgemeinschaft der Gohrischer Hoteliers. Die Wirte wollen mit der Gemeinde Ideen für neue touristische Attraktionen entwickeln.

Zugpferd Tagestourismus

Dahinter steckt Problembewusstsein. Mit ihren Zahlen müssen sich die Wirte der Gemeinde Gohrisch zwar nicht verstecken: Mit 83037 gezählten Übernachtungen und 28593 Übernachtungsgästen lagen ihre Häuser im Vorjahr gar nicht so weit hinter den Gastbetrieben im Kurort Rathen. Jedoch ist laut Statistischem Landesamt in Gohrisch die Auslastung weit niedriger.

Und die Bettenbelegung sagt noch nichts über den Gohrischer Anteil an der mit Abstand größten Besuchergruppe der Sächsischen Schweiz aus – über die Tagestouristen. Viele sind Wanderer aus dem Raum Dresden, die wegen der Landschaftsidylle immer wieder ins Elbsandsteingebirge fahren. Idylle allein reiche aber nicht, um die Tourismuswirtschaft anzukurbeln, meinen die Gohrischer Hoteliers. „Es muss was passieren. Etwas Spektakuläres wäre schön“, sagt Wirte-Sprecherin Irene Gülle.

Wie wenig Gohrisch im Bereich Tagestourismus vom Kuchen abbekommt, lässt sich erahnen, wenn man einen Blick auf die Besucherzahlen des Cunnersdorfer Waldbads wirft. Das Bad – neben der Landschaft bis dato Hauptattraktion der Gemeinde – zog in der Vorjahressaison 11600 Besucher an.

Im selben Jahr brachte es die Kahnfahrt Obere Schleuse in Hinterhermsdorf auf 53945 Besucher, die Toskana-Therme in Bad Schandau zog 172000 Gäste an, ganz zu schweigen von der Festung Königstein mit 579506 Besuchern.

Visionen mit Fragezeichen

Laut einer Hochrechnung der Nationalparkverwaltung strömten bereits vor zehn Jahren 250000 Besucher pro Jahr zum Amselsee, 500000 auf die Basteibrücke und immerhin noch 120000 zum Lichtenhainer Wasserfall. Die Zahlen dürften inzwischen gestiegen sein.

Hans-Joachim Gülle von der Pension Villa Irene in Gohrisch meint deshalb, man müsse die wildromantische Gegend um Gohrisch irgendwie sichtbarer machen – und möglichst schon unten im Tal, an der B172 wahrgenommen werden. Dazu braucht es ein ganzheitliches Konzept. „Wir wollen nicht nur unsere Häuser füllen“, sagt Gülle.

In dieser Hinsicht waren in Gohrisch schon eine ganze Reihe von Ideen im Gespräch – von einer Sommerrodelbahn über eine Mountainbike-Arena bis zum Hochseilgarten. Meist lösten sich solche Visionen in Fragezeichen auf – etwa in puncto Finanzierbarkeit. „So ein Erlebnispfad ist da schon eher realistisch“, findet Bürgermeister Tom Vollmann (FDP).

Vollmann hat neben dem Fremdenverkehr noch andere irdische Sorgen, hat gerade erst seinen Haushalt fürs kommende Jahr unter Dach und Fach gebracht. Manche Diskussion ums liebe Geld dürfte ihm und seinen Gemeinderäten noch in den Knochen stecken.

Trotzdem will der Bürgermeister in Sachen Tourismus vorankommen und nennt die Präsentation einen „Anfang“. Auf welchem Weg es weitergeht, das sollen auch die Bürger mitbestimmen. „Bitte gehen Sie auf die Gemeinderäte zu. 2009 ist Planungsjahr“, rief Vollmann nach der Veranstaltung in den Saal.

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