Erster Tscheche wird Mitglied im Tourismusverein

von admin am 4. Juni 2010

Freitag, 4. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)

Von Nicole Preuß

Der Tscheche Milan Klenor vermietet das Haus, das seine Eltern in Kamen restauriert haben, an Gäste aus Tschechien und Deutschland. Jetzt ist er in den Tourismusverein eingetreten.
Die ersten deutschen Gäste kamen zu Pfingsten, kurz nachdem Milan Klenor in den Tourismusverein Elbsandsteingebirge eingetreten war. Das Telefon klingelte und die Stimme am anderen Ende sagte, sie hätte gern das erste Haus. „Erst wusste ich gar nicht, was sie wollte.“ Milan Klenor lacht.

Erst später kam heraus: Das erste Haus ist das Haus, das auf der Internetseite ganz oben steht. Entdeckt hatten die Urlaubswilligen seine Seite über den Internetauftritt des Tourismusvereins.

Milan Klenor ist neu im Geschäft. Seit diesem Jahr vermietet er die beiden Häuser, die er vor einem Jahr in Kamen, zehn Kilometer hinter der deutsch-tschechischen Grenze, geerbt hat. Der Ort Kamen hat kaum 30 Häuser, keine Kirche, keinen Laden, kein Museum, aber einen atemberaubenden Blick auf die Gipfel des Elbsandsteingebirges. „Ich hab überlegt, was ich anbieten kann“, erzählt der 54-Jährige. „Meiner Meinung nach sind das meine Deutschkenntnisse und diese beiden Häuser.“

Seine Eltern haben die zwei Häuschen aus dem 19. Jahrhundert nach der Wende liebevoll und detailgetreu restauriert. In einem der Häuser steht in der Küche ein blauer Kachelofen. Die Dielen in der Wohnküche knarren leise, wenn man darüber läuft. Unter der Küchenanrichte steht eine alte Waage, auf die zum Messen noch Gewichte gestellt werden müssen. Milan Klenor ist oft hier, wenn er nicht gerade in Prag ist. Dort hat er bis vor Kurzem als Journalist mit Spezialgebiet deutsche Politik gearbeitet. Dort will er sich jetzt als Gerichtsübersetzer selbstständig machen. Nebenbei soll das Vermietungsgeschäft in Kamen laufen. „Ich mach jetzt Sachen, da hätt ich nie gedacht, dass es mal so weit kommt. Gestern hab ich zum Beispiel Laken gekauft. Aus einem Material, das man nicht bügeln muss.“

Unwissenheit abbauen

Milan Klenor macht keinen Hehl daraus, dass er gern deutsche Touristen in seine Ferienhäuser nach Tschechien locken würde. „Im Urlaub können sich die Menschen auf eine ganz andere Weise treffen“, sagt er. Klenor will Hemmungen zwischen Tschechen und Deutschen abbauen helfen. „Ich bin inzwischen der Meinung, dass die Kontakte zwischen den sogenannten kleinen Menschen sehr wichtig sind, nicht nur die große Politik.“

Auch deshalb ist er als erster Tscheche in den Tourismusverein Elbsandsteingebirge eingetreten. Die Internetseite des Vereins fand Milan Klenor eher durch Zufall beim Stöbern im Internet. Sofort setzte er sich mit den Mitgliedern in Verbindung. Der Vorsitzende des Vereins, Ivo Teichmann, ist stolz auf das erste Mitglied aus dem Nachbarland. „Wir haben uns schon zur Gründung 2003 mit Absicht Elbsandsteingebirge genannt und nicht Sächsische Schweiz“, sagt er. „Die Region wird insgesamt attraktiver, wenn man sie in ihrer Gesamtheit darstellt.“

Das soll nun zunehmend auch in Tschechisch geschehen. Milan Klenor will Prospekte und Texte des Tourismusvereins in seine Sprache übersetzen. So könnten auch Gäste aus Tschechien in die Herbergen in Bad Schandau oder Königstein kommen. Deutsch hat Milan Klenor schon in der Grundschule in Decin und später an der Karlsuniversität in Prag gepaukt. „Ich finde, man sollte viel mehr die Sprache verstehen, die auf der anderen Seite der Grenze gesprochen wird“, sagt er. Denn Kamen und Königstein lägen doch nun wirklich nicht so weit auseinander.

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